Stellungnahme zur Handlungsaufforderung
Bürgermeisterkandidat Johannes Dalhoff
Fridays for Future Altötting Mühldorf fürhrt am 27.02.2026 einen Klimastreik in Altötting durch. Hierfür baten Sie die Kandidaten für die Ämter des Bürgermeisters der Stadt Altötting und des Landrats für den Landkreis Altötting um konkrete Zusagen zur Erfüllung klimabezogener Forderungen.
Vorwort
Die nachfolgenden Antworten verstehe ich als meine konkrete Arbeitsgrundlage im Falle meiner Wahl. Klimaschutz, Energieversorgung, Stadtklima und Baumschutz sind strukturelle Aufgaben, die belastbare Daten, klare Zuständigkeiten und verbindliche Regeln erfordern.
Zwischen ökologischen, sozialen und städtebaulichen Interessen entstehen Zielkonflikte. Gute Kommunalpolitik bedeutet, diese offen zu benennen, transparent abzuwägen und im Zweifel langfristige Klima- und Naturinteressen nicht kurzfristigen Vorteilen unterzuordnen.
Weitere Antworten zu Klima- und Naturschutzfragen findest Du auch unter:
https://www.oedp-altoetting.de/wahlen/kommunalwahlen-2026/stadtrat-altoetting/
Hinsichtlich Klima und Umweltschutz ist besonders der Text zu den Wahlprüfsteinen für den BUND Naturschutz, interessant.
Transparenzhinweis
Die folgenden Fragen wurden in einem offenen Austauschprozess vorbereitet, an dem ich inhaltlich mitgewirkt und einen Entwurf beigesteuert habe. Als Bürgermeisterkandidat für Altötting vertrete ich meine Positionen hierzu selbstverständlich eigenständig und nachvollziehbar.
I. Wir fordern eine verbindliche Klimaschutz- und Energiestrategie für Altötting!
(1) Welche verbindliche Klimaschutz- und Energiestrategie soll die Stadt Altötting in den kommenden Jahren verfolgen, und sind Sie bereit, hierfür einen Klimaschutzfahrplan mit konkreten Zielwerten – beispielsweise bis 2030 – zu beschließen, jährlich einen Energie- und CO₂-Bericht vorzulegen und daraus jeweils überprüfbare Minderungsziele für das Folgejahr abzuleiten?
Ja. Ein verbindlicher Klimaschutzfahrplan ist sinnvoll und notwendig. Ein ambitionierter Fahrplan muss konkrete Maßnahmen benennen, Zuständigkeiten klären und überprüfbar machen, ob wir tatsächlich vorankommen. Grundlage dafür sind vollständig und nachvollziehbar erhobene Daten, die offen gelegt und verständlich aufbereitet werden.
Ich befürworte daher ausdrücklich einen jährlichen Klimabericht, der die kommunalen Energieverbräuche, die CO₂-Emissionen sowie zentrale Klimakennzahlen transparent darstellt und daraus konkrete Verbesserungsziele für das Folgejahr ableitet. Der Bericht muss nachvollziehbar zeigen, wie sich die Stadt entwickelt, welche Maßnahmen Wirkung entfalten und wo nachgesteuert werden muss. Transparenz ist dabei kein Zusatz, sondern Voraussetzung für Verbindlichkeit und demokratische Kontrolle.
II. Wir fordern geringeren Energieverbrauch und 100 % erneuerbare Energien!
(2) Wie soll die Stadt Altötting ihre Vorbildfunktion im Bereich Energie konkret wahrnehmen, und welche Maßnahmen planen Sie, um den Energieverbrauch kommunaler Gebäude deutlich zu senken sowie geeignete Dachflächen konsequent für Photovoltaik oder andere erneuerbare Energien zu nutzen?
Als Bürgermeister von Altötting treibe ich die Gründung einer kommunal getragenen Energiegenossenschaft voran. Die Stadt übernimmt dabei eine klare Pionierrolle: Sie stellt eigene Dachflächen zur Verfügung, bündelt Förderprogramme und initiiert den systematischen Ausbau von Photovoltaik – ergänzt durch dezentrale Speicher. Ziel ist es, geeignete Dächer konsequent zu nutzen und Bürger*innen sowie lokale Akteur*innen aktiv einzubinden und am Ertrag zu beteiligen.
Parallel dazu erfassen wir die Energieverbräuche unserer kommunalen Gebäude systematisch und transparent. Auf dieser Grundlage bauen wir ein verbindliches Energiemanagement mit klaren Zuständigkeiten und kontinuierlichem Monitoring auf. Effizienzmaßnahmen, optimierte Betriebszeiten und verbindliche Standards in Beschaffung und Fuhrpark folgen daraus nachvollziehbar und datenbasiert. So verbinden wir Vorbildfunktion, Beteiligung und einen strukturierten Ausbau erneuerbarer Energie.
III. Wir fordern das Ende fossiler Heizsysteme! Sozial gerecht!
(3) Welche Strategie halten Sie für geeignet, um in Altötting die fossilen Heizsysteme schrittweise durch erneuerbare Lösungen zu ersetzen – insbesondere in Gebieten ohne Anschluss an ein Wärmenetz?
Perspektivisch sollten dezentrale Niedertemperatur-Netze geprüft werden, die mehrere Einspeisende einbinden und lokale Potenziale wie Abwärme, Wärmepumpen oder Solarthermie effizient nutzen. Solche Strukturen können die bestehende Fernwärme sinnvoll ergänzen und weiterentwickeln. Gleichzeitig erhöht eine breitere Erzeugungsbasis die Ausfallsicherheit und schafft mehr Wettbewerb auf der Erzeugerseite, was langfristig zu stabileren und faireren Wärmepreisen beitragen kann.
Für Haushalte ohne realistische Perspektive auf einen zeitnahen Anschluss an das Fernwärmenetz muss geprüft werden, welche lokaleren Wärmenetze oder erneuerbaren Einzelheizlösungen geeignet und förderfähig sind. Dabei ist eine gezielte Unterstützung finanziell schwächerer Haushalte entscheidend. Der Erfolg einer Gesamtstrategie hängt maßgeblich von ihrer sozialen Umsetzbarkeit und der breiten Akzeptanz in der Bevölkerung ab.
IV. Wir fordern eine gesunde Innenstadt!
(4) Halten Sie die Erarbeitung eines städtischen Klimaanpassungs- bzw. Hitzeschutzkonzepts für sinnvoll?
Ja. Hitzeperioden und Starkregen sind auch in Altötting spürbar. Ein städtisches Klimaanpassungs- und Hitzeschutzkonzept ist daher notwendig.
Städtebaulich gilt grundsätzlich: Den Eintrag von Wärme vermeiden, statt sie später – etwa aus Gebäuden – technisch aufwendig wieder herauszukühlen. Für das Stadtklima bedeutet das mehr Bäume mit ausreichendem Wurzelraum, gezielte Verschattung, Begrünung geeigneter Dach- und Fassadenflächen, Entsiegelung sowie Wasserflächen oder Wasserelemente zur Kühlung. Ziel ist es, Hitze gar nicht erst entstehen zu lassen und die Aufenthaltsqualität dauerhaft zu sichern.
(5) Welche Rolle sollten aus Ihrer Sicht dabei Aspekte wie Begrünung von Fassaden, Dächern und öffentlichen Flächen, der Erhalt und Ausbau des Baumbestands gegebenenfalls mit Schutzregelungen, Trinkwasserbrunnen und kühlende Wasserflächen sowie Entsiegelung und Verschattung öffentlicher Räume spielen?
Diese Maßnahmen sind zentral und müssen standortgerecht umgesetzt werden. Wo Begrünung möglich ist – insbesondere in Wohngebieten und auf kommunalen Flächen – wird sie konsequent erfolgen: mehr Bäume mit ausreichendem Wurzelraum, weniger Versiegelung und vernetzte Grünstrukturen. Für den Baumbestand sind verbindliche Schutzregelungen erforderlich.
Bei Neubauten befürworte ich klare Mindeststandards für Dach- und Fassadenbegrünung sowie Entsiegelung. Wo Dachbegrünung nicht sinnvoll ist, sollte Photovoltaik oder Solarthermie vorgesehen werden. An stark versiegelten Orten braucht es ergänzend Verschattung, helle Beläge, mobile Begrünung und Wasserflächen. Trinkwasserbrunnen sind aus meiner Sicht unverzichtbar.
Ergänzend sollte über Hitzeschutzräume für Extremereignisse nachgedacht werden.
(6) Welche weiteren Ansätze halten Sie für wichtig, um Altötting an zunehmende Hitzeperioden und Extremwetter anzupassen?
Landschaftstechnisch ist für mich der Wasserrückhalt zentral. Wasser muss in der Fläche gehalten und nicht möglichst schnell abgeleitet werden.
Wiedervernässungen, Retentionsräume und naturnahe Entwicklungen von Gewässern helfen sowohl bei Starkregen als auch in Trockenperioden.
Innerstädtisch steht die konsequente Stadtbegrünung im Vordergrund – wie bereits beschrieben. Mehr Bäume mit ausreichendem Wurzelraum, Entsiegelung und vernetzte Grünstrukturen zur Kühlung und Verbesserung des Mikroklimas.
Baulich werden zudem hitzemindernde Materialien und Oberflächen eingesetzt werden müssen. Ziel ist es, Aufheizung und Wärmerückstrahlung in Fußgänger- und Aufenthaltsbereichen zu reduzieren – etwa durch geeignete Beläge, Verschattung und Fassadenbegrünung.
(7) Wie möchten Sie in Altötting dem Zielkonflikt zwischen notwendiger Nachverdichtung im Siedlungsbereich und den Anforderungen einer klimaresilienten „Schwammstadt“ begegnen?
Nachverdichtung darf nicht zulasten der Klimaresilienz gehen. Eine „Schwammstadt“ lebt davon, dass Flächen Wasser aufnehmen, speichern und verzögert abgeben können. Hohe Versiegelungsgrade stehen diesem Ziel grundsätzlich entgegen.
Ich halte es daher für ausdrücklich problematisch, Bebauungspläne mit Versiegelungsgraden von 80 % im Wohnbereich zuzulassen. Klimaschutz und Klimaanpassung beginnen bei der Frage, wie viel Fläche dauerhaft versiegelt wird – nicht erst bei technischen Kompensationsmaßnahmen.
Zielkonflikte zwischen Wohnraumbedarf und Klimaresilienz müssen offen benannt und transparent abgewogen werden. Verdichtung ist kein Selbstzweck, sondern muss städtebaulich, ökologisch und langfristig verträglich sein.
(8) Welches planerische oder konzeptionelle Vorgehen halten Sie für geeignet, um Innenentwicklung, Entsiegelung, Regenwasserrückhalt, Grünstrukturen und Bauverdichtung miteinander in Einklang zu bringen?
Zwischen Klimaschutz, Stadtentwicklung und sozialen Fragen entstehen zwangsläufig Zielkonflikte. Gute Politik bedeutet, diese offen zu benennen und auf belastbarer Datengrundlage zu entscheiden – nicht aus dem Bauch heraus oder unter Zeitdruck.
Planerische Entscheidungen müssen transparent, nachvollziehbar und frühzeitig diskutiert werden. Dazu gehören klare Kriterien für Versiegelung, Regenwasserrückhalt und Grünanteile ebenso wie eine realistische Bewertung der Auswirkungen auf Stadtklima und Lebensqualität.
Im Zweifel muss der Vorrang bei Klima- und Naturschutz liegen. Innenentwicklung darf die langfristige ökologische Stabilität und die Lebensqualität in Altötting nicht untergraben.
V. Wir fordern Baumschutz! Schützt Lebensraum und Klima!
(9) Nachdem eine Baumschutzverordnung in Altötting bereits einmal politisch gescheitert ist: Welche konkrete Zielsetzung verfolgen Sie beim Schutz des Baumbestands im Stadtgebiet, und sind Sie bereit, dafür eine verbindliche Baumschutzverordnung (oder ein gleichwertig wirksames Regelwerk) auf den Weg zu bringen?
Ja. Eine Baumschutzverordnung ist in Altötting überfällig und muss bewusst streng ausgestaltet sein. Der Schutz des bestehenden Baumbestands ist aktiver Klima- und Lebensraumschutz.
Sie sollte im gesamten Stadtgebiet gelten und früh greifen – aus meiner Sicht bereits ab 30 cm Stammumfang. Ersatzpflanzungen müssen sich am tatsächlichen ökologischen Verlust orientieren, also an Größe und Kronenfläche, nicht an symbolischen Einzelpflanzungen.
Zusätzlich sollen im Stadtgebiet überall dort, wo es möglich ist, neue Bäume Platz finden. Ein wirksamer Schutz ist nur mit klaren, verbindlichen und nachvollziehbaren Regeln erreichbar.
(10) Wie stellen Sie sicher, dass der Schutz nicht nur freiwillig bleibt, sondern dauerhaft und nachvollziehbar wirkt?
Bestandsschutz alter Bäume hat Vorrang. Ihr ökologischer Wert ist kurzfristig nicht ersetzbar und muss bei Planungen konsequent berücksichtigt werden. Deshalb braucht Altötting eine verbindliche Baumschutzverordnung, die klare Schutzkriterien, Genehmigungspflichten und nachvollziehbare Ersatzregelungen festlegt.
Darüber hinaus darf Schutz nicht beim Verbot stehen bleiben. Es braucht aktive Pflege: Baumscheibenertüchtigung, Entsiegelung im Wurzelbereich und gezielte Bewässerung bei Hitzeperioden. Straßenbäume sind Teil der städtischen Infrastruktur und müssen systematisch geschützt und erhalten werden – nicht freiwillig oder beiläufig.
Damit die Verordnung dauerhaft und wirksam bleibt, halte ich einen jährlichen Entwicklungsbericht zum Stadtgrün für sinnvoll. Pflegezustand, Neupflanzungen, Fällungen und Ersatzmaßnahmen sollten transparent dokumentiert und öffentlich zugänglich gemacht werden. Nur so entsteht Verbindlichkeit, Kontrolle und Vertrauen.