Wahlprüfsteine - BUND Naturschutz Altötting
Stellungnahme von Johannes Dalhoff
Der BUND Naturschutz Altötting bat alle Kandidat*innen um das Bürgermeisteramt um die Beantwortung von Fragen zur angestrebten Politik im Umwelt- und Klimaschutz. Ich gab nachfolgende, ausführliche Antwort.
Vorwort
Die folgenden Positionen sind keine symbolischen Aussagen, sondern Arbeitsaufträge. Jede einzelne dieser Fragen beschreibt ein reales Problem, das gelöst werden muss. Es wird uns gelingen, diese Punkte voranzubringen – aber nur mit Klarheit, Ausdauer und belastbaren Grundlagen.
Diese Antworten sind bewusst isoliert auf die einzelnen Themen gegeben. In der Realität greifen viele dieser Bereiche ineinander. Zwischen Klimaschutz, Stadtentwicklung, Mobilität und sozialen Fragen entstehen Synergien – aber auch Zielkonflikte, die offen benannt werden müssen. Gute Politik bedeutet, in solchen Situationen das Beste für Natur und unsere Lebensgrundlagen herauszuholen, an den Rand des Machbaren zu gehen und Natur nicht nur zu schützen, sondern aktiv zu erneuern.
Diese Themen werden uns lange beschäftigen. Wir werden Daten auswerten, Wissen zusammentragen und Entscheidungen gemeinsam entwickeln müssen. Das ist kein Sprint, sondern eine dauerhafte Aufgabe. Wer echte Veränderung will, braucht Ausdauer und die Bereitschaft dranzubleiben.
BUND und weitere Fachverbände, Initiativen und engagierte Bürger*innen lade ich ausdrücklich ein, ihre Expertise einzubringen und diesen Prozess mitzugestalten. Die besten Ergebnisse entstehen, wenn Verwaltung, Politik und Zivilgesellschaft gemeinsam arbeiten. Offene, transparente Zusammenarbeit stärkt politische Entscheidungen und schafft echte Handlungsfähigkeit.
Diese Positionen sind deshalb kein Endergebnis, sondern der Beginn einer gemeinsamen Arbeit. Es wird Zeit brauchen. Es wird Widerstände geben. Aber es wird uns gelingen, diese Stadt ökologisch, sozial und strukturell zukunftsfähig zu machen.
Klimakrise
- Die Klimakrise ist u.a. mit Hitzeperioden und Starkregen auch in Altötting spürbar. Wie stehen Sie zu konkreten Maßnahmen der Kühlung von Kindergärten und Schulen mit innovativer, umweltverträglicher Technik ?
> Jede technische Lösung greift in Umwelt und Ressourcen ein. Umweltverträglichkeit zeigt sich daher im Vergleich: Welche Maßnahme senkt Hitze und Energiebedarf tatsächlich?
> „Innovativ“ heißt hier nicht mehr Technik, sondern weniger Kühlbedarf. Oft ist es sinnvoller, Hitze gar nicht erst ins Gebäude zu lassen, statt sie später aufwendig wieder herauszukühlen.Beim Neubau und bei Sanierungen sollten daher passive Maßnahmen im Vordergrund stehen: Verschattung, Begrünung und Bäume, helle Oberflächen, Entsiegelung, Regenwasserrückhalt und bauliche Wärmespeicher.
> Reicht das nicht aus, kann aktiv gekühlt werden – aber gezielt, energieeffizient und sinnvoll gesteuert, nicht pauschal und nicht flächendeckend.
- Welche Strategie soll Ihrer Auffassung nach in Altötting zur Ablösung der fossilen Energien durch erneuerbare verfolgen, in Gebieten, die nicht an die Fernwärmeversorgung angeschlossen werden können?
> Fernwärme ist kein Selbstläufer und nicht automatisch die ökologisch beste Lösung. Ihre Klimabilanz hängt vom eingesetzten Brennstoff, der Absicherung von Spitzenlasten sowie von Netzverlusten ab. Gerade bei biomassebasierten Systemen müssen auch Emissionen, Ascheentsorgung und der Einsatz fossiler Reservekessel ehrlich mitbetrachtet werden.
> Für Gebiete ohne oder absehbar ohne Fernwärmeanschluss braucht es daher eineverlässliche Strategie für dezentrale erneuerbare Wärme. Dazu zählen insbesondere Wärmepumpen, Pelletheizungen und lokale Nahwärmelösungen, angepasst an Gebäude und Standort. Voraussetzung dafür ist Transparenz: Die kommunale Wärmeplanung muss nachvollziehbar benennen, wo Fernwärme realistisch vorgesehen ist, wo nicht – und aus welchen Gründen. Nur so entstehen Planungssicherheit und Akzeptanz bei den Betroffenen.
> Perspektivisch sollten auch dezentrale Niedertemperatur-Netze mit mehreren Einspeisenden geprüft werden. Quartiers- oder Ortsteilnetze können aus Abwärme, Solarthermie, Wärmepumpen, Biomasse oder Biogas gespeist werden und auch kleinere Erzeugerinnen einbinden, um lokale Potenziale effizient zu nutzen. Niedrige Netztemperaturen senken Wärmeverluste, steigern die Effizienz erneuerbarer Quellen, erhöhen die Ausfallsicherheit, ermöglichen Wettbewerb auf der Erzeugerseite und unterbinden die Abhängigkeit von einzelnen Großanbieter*innen oder monopolartigen Strukturen, was langfristig zu faireren und stabileren Wärmepreisen beitragen kann – insbesondere in Randlagen und kleineren Ortsteilen.
- Welche konkreten Maßnahmen werden Sie vorschlagen, um die Photovoltaik-Nutzung auf kommunalen Gebäuden zu intensivieren?
> Ein zentraler Ansatz ist für mich der Aufbau einer kommunal getragenen Energiegenossenschaft, an der sich die Stadt, Bürger*innen und weitere lokale Akteur*innen beteiligen können. Diese Genossenschaft soll Photovoltaik auf kommunalen Gebäuden systematisch ausbauen und zugleich als Motor für den Ausbau auf privaten Dächern dienen.
> Die Genossenschaft könnte Planung, Finanzierung und Betrieb bündeln und dabei konsequent alle verfügbaren Förderprogramme nutzen. Ziel ist es, möglichst viele geeignete Dächer – kommunale wie private – mit Photovoltaik auszustatten und diese Anlagen durch dezentrale Speicher zu ergänzen. In der Summe kann so einvirtuelles Kraftwerk entstehen, das lokal erzeugten Strom vorrangig vor Ort nutzbar macht, Lastspitzen glättet und die Netzstabilität vor Ort stärkt.
> Zur Umsetzung soll die Genossenschaft Kredite organisieren und teilweise selbst bereitstellen, etwa für Haushalte, die die Anfangsinvestition nicht stemmen können. Der erzeugte Strom kann gemeinschaftlich und kostengünstig vermarktet werden, während teilnehmende Mitglieder durch günstigere Strompreise, Beteiligungserträge oder andere Vergünstigungen profitieren. Die Stadt kann sich aktiv beteiligen – finanziell, organisatorisch und durch die Bereitstellung ihrer Gebäude – und so lokale Wertschöpfung, Versorgungssicherheit und Akzeptanz zugleich stärken.
> Die Finanzierung kann dabei auf mehreren Säulen stehen: kommunale Beteiligung, Bürger*innenkapital, Fördermittel sowie ergänzende Kredite. Entscheidend ist ein Modell, das Tempo ermöglicht, Investitionen sozial abfedert und die Energiewende sichtbar in die Fläche bringt – statt sie auf einzelne Leuchtturmprojekte zu beschränken.
- Welche Maßnahmen werden Sie vorschlagen, um den Energieverbrauch in kommunaler Verantwortung deutlich zu reduzieren?
> Ohne Kenntnis der konkreten Verbrauchsdaten lässt sich von außen nicht seriös sagen, wo die größten Einsparpotenziale liegen. Mein erster Ansatz wäre daher, die Energieverbräuche systematisch zu erfassen und transparent darzustellen – nicht nur für kommunale Gebäude und Anlagen, sondern auch aggregiert für Privathaushalte sowie Gewerbe und Industrie, soweit dies datenschutzkonform möglich ist.
> Auf dieser Grundlage sollte ein einfaches, verbindliches kommunales Energiemanagement aufgebaut werden: mit Monitoring, klaren Zuständigkeiten und einer Priorisierung nach tatsächlichen Verbräuchen statt nach Vermutungen. Ziel ist es, nachvollziehbar zu erkennen, wo Maßnahmen sinnvoll sind und wo nicht.
> Erst dann lassen sich gezielt und pragmatisch Schritte ableiten, etwa durch optimierte Betriebs- und Regelzeiten, Effizienzmaßnahmen in Gebäuden und Anlagen oder klare Standards bei Beschaffung und Fuhrpark. Entscheidend ist für mich ein Vorgehen, das auf Daten und Transparenz basiert und nicht auf Annahmen.
- Sind Sie dafür, dass die Kommune einen jährlichen Energiebericht mit konkreten Minderungszielen für das Folgejahr vorlegt?
> Ja. Ein jährlicher Energiebericht ist sinnvoll, um überhaupt zu wissen, wo wir stehen und ob wir vorankommen. Ohne transparente Zahlen bleibt unklar, ob Energie gespart wird oder ob es bei Absichtserklärungen bleibt.
> Der Bericht sollte die Energieverbräuche der Kommune verständlich darstellen und dabei auch zeigen, wie sich der Verbrauch insgesamt entwickelt – bei kommunalen Einrichtungen ebenso wie zusammengefasst bei Privathaushalten sowie Gewerbe und Industrie. Auf dieser Grundlage sollten konkrete, realistische Minderungsziele für das Folgejahr benannt werden.Wichtig ist mir dabei ein fairer Ansatz: Alle leisten ihren Beitrag nach ihren Kraftvermögen. Große Verbraucher haben andere Möglichkeiten als kleine Haushalte, und genau das muss sichtbar gemacht werden. Ein solcher Bericht schafft Transparenz, Verbindlichkeit und eine gemeinsame Grundlage, um Maßnahmen sachlich zu bewerten und weiterzuentwickeln.
- Sind Sie dafür, einen ambitionierten Klimaschutzfahrplan mit konkreten CO2-Minderungszielen für das Zieljahr 2030 für die Stadt Altötting zu verabschieden und umzusetzen?
> Ja, grundsätzlich schon – wobei für mich zuerst geklärt werden muss, was „ambitioniert“ konkret heißt. Ambitioniert ist ein Klimaschutzfahrplan dann, wenn er spürbare und ehrgeizige Minderungen anstrebt, sich an den Klimazielen orientiert und gleichzeitig realistisch umsetzbar bleibt. Er darf nicht nur Zielzahlen nennen, sondern muss klar machen, welche Maßnahmen bis wann umgesetzt werden sollen.
> Die Stadt kann CO₂ dort reduzieren, wo sie direkte Verantwortung trägt: bei eigenen Gebäuden und Anlagen, beim Energie- und Wärmebezug, bei Beschaffung, Fuhrpark, Flächenmanagement sowie durch Planung und Genehmigung. Ambition bedeutet hier, nicht nur Bestehendes zu optimieren, sondern Schwerpunkte klar zu setzen und Maßnahmen mit spürbarer Wirkung vorzuziehen. Dazu gehört aus meiner Sicht ausdrücklich, keine Bebauungspläne mit Versiegelungsgraden von 80 % im Wohnbereich zuzulassen, wie sie in Planung sind. Klimaschutz beginnt auch bei der Frage, wie viel Fläche dauerhaft versiegelt wird – und nicht erst bei der nachträglichen technischen Kompensation.
> Ein wirksamer Klimaschutzfahrplan sollte außerdem mit einer vollständigen und transparenten Erfassung der Verbräuche und Emissionen beginnen. Erst wenn diese Daten offen vorliegen und nachvollziehbar zusammengetragen sind, lässt sich seriös beurteilen, wo Reduktionen möglich und sinnvoll sind. Auf dieser Grundlage können dann Schritt für Schritt konkrete Minderungsziele verfolgt und überprüft werden – ohne Verlagerung von Emissionen in andere Regionen und ohne rechnerische Effekte, die reale Einsparungen ersetzen sollen.
Nachhaltige Mobilität
- Welche prioritären Maßnahmen sollen zur Förderung des Rad- und Fußverkehrs umgesetztwerden, um den Umstieg vom PKW zu erleichtern?
> Für mich braucht es drei klare Ansatzpunkte: Radfahren sicher machen, Autofahren weniger privilegieren und die Notwendigkeit des Autos insgesamt reduzieren.
> Erstens muss Radfahren im Alltag sicher und verlässlich werden. Dazu gehören durchgängige, gut geführte und geräumte Radverbindungen, sichere Kreuzungen und Querungen sowie klare Trennung vom schnellen Kfz-Verkehr dort, wo es Konflikte gibt. Wer bei jedem Wetter und zu jeder Jahreszeit sicher ans Ziel kommt, steigt eher um.
> Zweitens muss der PKW-Verkehr bewusst an Komfort verlieren. Konkret heißt das: Tempo 30 im gesamten Stadtgebiet, Spielstraßen in Wohnsiedlungen, Einbahnstraßen wo möglich sowie verkehrsberuhigende Maßnahmen wie Bodenwellen, Engstellen oder versetztes Parken. Autofahren soll langsamer, umständlicher und weniger selbstverständlich sein – gerade auf kurzen innerstädtischen Wegen.
> Drittens muss die Notwendigkeit des Autos verringert werden. Viele Fahrten entstehen nicht aus Bequemlichkeit, sondern aus fehlenden Alternativen, etwa beim Lebensmitteleinkauf. Hier kann die Stadt neue Modelle unterstützen, zum Beispiel gebündelte Lieferdienste, organisiert kommunal oder genossenschaftlich, die Bestellungen per Elektrofahrzeug ausliefern. Weniger Einkaufsfahrten entlasten den Verkehr, ohne die Versorgung einzuschränken.
> Ergänzend brauchen Pendler*innen praktikable Lösungen wie Park+Ride-Angebote am Stadtrand und gute Verknüpfungen mit Rad und ÖPNV. Ziel ist kein Autofeindbild, sondern eine klare Verschiebung der Prioritäten: Rad- und Fußverkehr zuerst, der PKW dort, wo er wirklich notwendig ist.
Biodiversität, Wasser
- Welche vorrangigen Maßnahmen werden Sie zum Schutz und zur Förderung der biologischen Vielfalt in Altötting vorschlagen und unterstützen?
> Auf kommunaler Ebene liegt der wichtigste Hebel darin, zusätzliche Flächen für biologische Vielfalt zu schaffen. Bestehende Gebiete wie der Gries sind wichtig, reichen aber nicht aus und sind in ihrer Struktur teilweise sehr einheitlich. Deshalb braucht es mehr naturnahe Flächen insgesamt, statt Biodiversität auf wenige Orte zu konzentrieren.
> Biologische Vielfalt darf dabei nicht an den Stadtrand ausgelagert werden. Auch im Stadtgebiet und in Wohnbereichen müssen gezielt naturnahe Strukturen entstehen: mehr Grünflächen mit unterschiedlicher Vegetation, weniger intensive Pflege, mehr Unordnung im positiven Sinn. Solche Flächen sind Lebensräume für Arten, verbessern das Stadtklima und dienen zugleich als Naherholungsräume. Das giltauch für neue Wohngebiete: Es reicht nicht, die Unterbringung von mehreren hundert Menschen – etwa im Projekt Wohnen West – zu planen, ohne zugleich naturnahen und möglichst natürlichen Lebensraum für eine vielfältige Flora und Fauna zu integrieren.
> Zusätzlich braucht es Anreize für private Gärten und Grundstücke, diese naturnah zu belassen. Die Stadt sollte hier mit gutem Beispiel vorangehen, eigene Flächen entsprechend gestalten und zeigen, dass biologische Vielfalt kein Sonderthema ist, sondern ein selbstverständlicher Teil einer lebenswerten Stadt.
- Unterstützen Sie es, dass die Kommune eine Biodiversitäts-Strategie sowie eine kommunale Biotopverbundplanung erarbeitet mit ausreichenden Haushaltsmitteln und personellen Ressourcen?
> Ja. Wenn wir es ernst meinen mit dem Schutz der biologischen Vielfalt, dann reicht es nicht, einzelne Flächen irgendwie „grün“ zu halten. Es braucht einen Plan, der zusammenhängend denkt: Wo es heute noch Lebensräume gibt, wie diese miteinander verbunden werden können und wo neue Flächen entstehen müssen. Gerade wenn „Nachverdichtung“ zunehmend zum Maßstab wird, ist das wichtiger denn je, damit Natur nicht Stück für Stück aus den letzten Ecken verdrängt wird.
> Mir ist wichtig, das nicht als theoretisches Papier zu verstehen. Eine solche Planung muss praktisch helfen, Entscheidungen besser zu treffen – etwa bei Bauvorhaben, bei der Gestaltung von Grünflächen oder bei der Frage, wo bewusst Raum für Natur gelassen wird. Damit das funktioniert, braucht es klare Zuständigkeiten, Zeit und Geld. Ohne Personal und Budget bleibt es sonst eine Absichtserklärung.
> Ob die Stadt das stemmen kann, ist für mich weniger eine Frage der Größe als der Priorität. Man kann klein anfangen, vorhandene Planungen bündeln und Schritt für Schritt vorgehen. Entscheidend ist, dass Biodiversität nicht nebenbei mitläuft, sondern als feste Aufgabe verstanden wird – mit den nötigen Mitteln, um sie auch umzusetzen.
- Setzen Sie sich dafür ein, dass die Gewässer 3. Ordnung bzw. in Unterhaltspflicht der Kommune nach Naturschutz-Kriterien entwickelt und renaturiert werden und dadurch im bewohnten Bereich auch zur Verbesserung des Lokalklimas beitragen?
> Ja. Gewässer in kommunaler Verantwortung sind mehr als Entwässerungsgräben. Sie sind Lebensräume, Frischluftschneisen und Kühlräume – gerade im Sommer. Wenn sie naturnah entwickelt werden, profitieren Natur, Stadtklima und Aufenthaltsqualität gleichermaßen.
> Gleichzeitig zeigt sich an manchen Stellen sehr deutlich, dass es nicht nur um Renaturierung geht, sondern auch um funktionierende Infrastruktur. Am Mörenbach im Gries kommt es immer wieder zu Geruchsbelästigung, Schaumbildung und sichtbarer Verschmutzung. Das deutet klar auf Probleme im Abwassersystem hin – etwa undichte Kanäle oder Fehlanschlüsse. Solche Zustände kann man nicht mit ein paar Pflanzen am Ufer überdecken.
> Für mich gehört beides zusammen: intakte Gewässer und intakte Kanalisation. Renaturierung nach Naturschutz-Kriterien macht nur Sinn, wenn gleichzeitig konsequent an der Ursachenbeseitigung gearbeitet wird, also an Kanalsanierungen, Kontrolle von Einleitungen und klarer Zuständigkeit. Erst dann können Gewässer ihre ökologische Funktion erfüllen und im bebauten Bereich tatsächlich zur Abkühlung und Lebensqualität beitragen.
- Setzen Sie sich dafür ein, dass die in Besitz der Kommune befindlichen Flächen vorbildlich zur Förderung der Biodiversität genutzt bzw. der natürlichen Entwicklung und Renaturierung überlassen werden?
> Ja – wo es sinnvoll und geeignet ist. Nicht jede kommunale Fläche taugt für Renaturierung, und es gibt auch Situationen mit anderen dringlichen Bedarfen. Aber dort, wo Flächen dauerhaft frei oder gestaltbar sind, sollte die Stadt bewusst entscheiden, Natur zuzulassen oder gezielt zu fördern, statt alles auf Ordnung, Kurzrasen und Pflegeleichtigkeit auszurichten.
> Dabei sollte Biodiversität nicht nur am Boden gedacht werden. Auch Dächer und Fassaden können Lebensräume sein – gerade in dicht bebauten Bereichen. Die Stadt kann auf eigenen Gebäuden vorangehen und gleichzeitig Anreize für Bewohner*innen schaffen, ihre Dächer, Fassaden und Grundstücke entsprechend zu nutzen. So entsteht zusätzliche Fläche für Natur, ohne neue Flächen zu verbrauchen.
> Darüber hinaus fände ich es sinnvoll, private Initiativen praktisch zu unterstützen, statt nur Appelle zu formulieren. Ein Beispiel: Wenn viele Gärten Mischhecken, Bäume oder naturnahe Flächen schaffen, könnte die Stadt Pflegebedarfe bündeln und Leistungen wie Schnitt und Pflege gemeinschaftlich organisieren – entweder durch städtische Dienste oder beauftragte Dienstleister*innen. Das senkt Hürden, entlastet Einzelne und macht naturnahe Gestaltung alltagstauglich. Ergänzend kann die Stadt eigene Flächen bereitstellen, etwa für Wiesen, Gehölze oder strukturreiche Bereiche wie Trockensteinflächen, die Vielfalt fördern und zugleich nutzbar bleiben.
- Welche kommunale Strategie sehen Sie beim Hochwasserschutz?
> Hochwasserschutz ist eine kommunale Aufgabe, aber in Altötting nicht allein lösbar. Entscheidend ist das gesamte Einzugsgebiet des Gewässers. Deshalb braucht es eine gemeinsame Strategie mit Nachbarkommunen und dem Freistaat Bayern. Einzelmaßnahmen vor Ort reichen nicht aus, wenn sie nicht Teil eines abgestimmten Gesamtkonzepts sind.
> Ein zentraler Ansatz ist für mich mehr Wasserrückhalt in der Fläche. Dazu gehören Wiedervernässungen, etwa auf der Osterwies, sowie weitere geeignete Retentionsflächen im Einzugsgebiet. Das hilft nicht nur gegen Hochwasser, sondern verbessert auch Klima und Natur. Der Freistaat steht hier in der Pflicht: Im Zuge des erfolgreichen Artenschutz-Volksbegehrens (ÖDP) wurden im Bayerischen Naturschutzgesetz verbindliche Ziele zum Biotopverbund und zum Flächenschutz festgeschrieben. Dazu gehört ausdrücklich auch die Renaturierung und Wiedervernässung von Moorflächen, die als natürliche Wasserspeicher eine zentrale Rolle beim Hochwasserschutz spielen. Diese Verpflichtungen müssen nun auch praktisch umgesetzt und finanziell getragen werden.
> Landwirt*innen müssen in diese Strategie eingebunden werden, denn Wasserrückhalt funktioniert nur in der Fläche. Wenn dafür Leistungen für die Allgemeinheit erbracht werden, braucht es faire Entschädigungen und tragfähige Lösungen, statt die Lasten einseitig zu verteilen.Klar ist für mich auch: Hochwasserschutz darf nicht durch technische Scheinlösungen ersetzt werden. Ein sehr großer Kanal mit enormen Baukosten, dauerhaften Folgekosten und massiven Eingriffen in Grundstücke ist für mich der falsche Weg – vor allem, wenn damit das Problem nur stromabwärts weitergereicht wird. Ebenso halte ich es für falsch, Hochwasserflächen zu nutzen, nur weil dort „sonst nichts erlaubt ist“. Das betrifft konkret das Flächennutzungs-/Landschaftsplan-Deckblatt Nr. 47 in Verbindung mit dem Bebauungsplan Nr. 99 „Freiflächen-Photovoltaik nördlich der Fabrikstraße“. Flächen, die für Hochwasserrückhalt vorgesehen oder geeignet sind, sollten Wasser aufnehmen, sich naturnah entwickeln, zur Kühlung beitragen und ein Gewinn für die Stadt sowie ein potenzielles Naherholungsgebiet sein – und nicht technisch überbaut werden, auch wenn dies rechnerisch als „hochwasserneutral“ bezeichnet wird.
- Welche Maßnahmen zur Verbesserung des Landschaftswasserhaushaltes werden Sie zur Hochwasserschutz und Dürre-Vorsorge voranbringen?
> Für mich heißt „Landschaftswasserhaushalt“ ganz einfach: Wasser soll in der Landschaft bleiben, statt möglichst schnell abgeleitet zu werden. Wenn Wasser länger vor Ort bleibt, hilft das gleich doppelt – Hochwasser wird abgebremst und in Trockenzeiten steht mehr Wasser zur Verfügung.
> Konkret geht es darum, Rückhalt zu schaffen: geeignete Flächen wieder vernässen, Retentionsräume sichern, Bäche und Auen naturnäher entwickeln und alles zurückbauen, was Wasser nur beschleunigt. Wichtig sind viele kleine, dezentrale Maßnahmen statt einer großen technischen Lösung – also Mulden, Rückhalteflächen, Entsiegelung und Flächen, auf denen Wasser versickern und gespeichert werden kann.
> Das funktioniert nicht ausschließlich im Stadtgebiet, sondern nur, wenn man das gesamte Einzugsgebiet des Gewässers betrachtet. Dafür braucht es Zusammenarbeit mit Nachbarkommunen und dem Freistaat sowie klare Absprachen zu Zuständigkeiten und Flächen. Ziel ist, Wasser zu bremsen, festzuhalten und langsam wieder abzugeben – und nicht, es immer schneller loszuwerden.
Bäume
- Unterstützen Sie die Einführung einer Baumschutzverordnung mit mindestens drei Eckpunkten:- Geltungsbereich im gesamten Stadtgebiet- Schutz aller Bäume mit einem Stammumfang ab 60 cm- Umfangreiche (Erhöhung der Zahl der) Ersatzpflanzungen für gefällte Bäume nach dem Kronenflächenkriterium und dem Stammumfang?
> Ja. Eine Baumschutzverordnung ist in Altötting überfällig und muss bewusst streng ausgestaltet sein. In den letzten Jahren wurden im Stadtgebiet – etwa im Bereich der Konventstraße und an der Pater-Rupert-Mayer-Straße – größere Baumbestände ersatzlos entfernt. Der Schaden für Stadtklima, Biodiversität und Aufenthaltsqualität ist erheblich und langfristig nicht ausgleichbar. Diese Entwicklung macht deutlich,dass ein wirksamer Schutz nur mit klaren und verbindlichen Regeln erreicht werden kann.
> Eine wirksame Baumschutzverordnung muss deshalb im gesamten Stadtgebiet gelten und früh greifen, etwa ab 30 cm Stammumfang. Schutzschwellen von 60 cm sind dafür zu hoch angesetzt, weil sie erst sehr alte Bäume erfassen und zu spät greifen, um weitere Verluste wirksam zu verhindern – gerade in einer zunehmend verdichteten Stadt. Zusätzlich braucht es verbindliche Ersatzpflanzungen, die sich am tatsächlichen Verlust orientieren, also an Kronenfläche und Größe der gefällten Bäume und nicht an symbolischen Einzelpflanzungen.
> Die notwendige Strenge dieser Regelung ist als Notbremse zu verstehen: Sie reagiert auf bereits eingetretene Verluste und soll verhindern, dass der Baumbestand weiter rapide abnimmt. Ziel ist nicht, sinnvolle Vorhaben zu blockieren, sondern den verbleibenden Bestand wirksam zu sichern und Eingriffe künftig nur noch mit echtem Ausgleich zuzulassen.
- Unterstützen Sie einen Vorrang für Bestandsschutz für alte Bäume, weil ihre ökologischeWirkung durch Neupflanzungen kurz- und mittelfristig noch nicht erreicht wird?
> Ja. Alte Bäume sind ökologisch nicht ersetzbar – jedenfalls nicht in absehbarer Zeit. Neupflanzungen brauchen Jahrzehnte, um auch nur annähernd die gleiche Wirkung für Klima, Wasserhaushalt und Artenvielfalt zu erreichen.
> Deshalb muss der Bestandsschutz Vorrang haben. Planungen und Bauvorhaben sind zuerst so auszurichten, dass bestehende alte Bäume erhalten bleiben. Fällungen dürfen nur die Ausnahme sein.
> Mir ist klar, dass das unbequemer ist und Planungen einschränkt. Aber der Wert alter Bäume rechtfertigt diese Priorität.
- Sind Sie bereit, sich für den dauerhaften Schutz des Bestandes vor allem durch Straßenbaumbewässerung und Baumscheibenertüchtigung einzusetzen?
> Ja. Wenn wir alte Straßenbäume erhalten wollen, müssen wir uns um ihre realen Bedingungen kümmern. Viele stehen im Asphalt, haben zu wenig Platz, zu wenig Wasser und leiden massiv unter Hitze. Ohne Gegenmaßnahmen sterben sie uns weg.
> Entscheidend ist die Baumscheibenertüchtigung: mehr offene Fläche, weniger Versiegelung, Böden, in denen Wasser versickern kann. Reines Gießen reicht nicht aus. Gezielte Bewässerung ist trotzdem nötig – vor allem bei Hitze, bei geschwächten Altbäumen und bei Neupflanzungen.
> Straßenbäume sind kein Beiwerk, sondern Teil der städtischen Infrastruktur. Wer ihren Bestand schützen will, muss das dauerhaft, systematisch und in kommunaler Verantwortung tun – nicht halbherzig und nicht auf freiwillige Hilfe abschieben.
- Werden Sie sich für eine starke Durchgrünung und anderer Hitzehotspots zur Milderung der Aufheizung der Stadt einsetzen?
> Durchgrünung und Hitzeminderung müssen standortgerecht gedacht werden. Nicht jeder Ort in der Stadt lässt klassische Begrünung zu. Ein Beispiel ist der Kapellplatz: stark versiegelt, unterbaut durch eine Tiefgarage und mit sehr begrenztem Wurzelraum. Dass dort Bäume und Grünflächen langfristig nicht funktionieren, liegt an den baulichen Rahmenbedingungen und nicht an mangelnder Pflege.
> An solchen Hitzehotspots sind daher andere Maßnahmen erforderlich, etwa zusätzliche Verschattung, temporäre oder mobile Begrünung, helle und weniger hitzespeichernde Beläge, Wasserelemente zur Kühlung sowie Entsiegelung an den wenigen noch möglichen Stellen. Ziel ist es, die Aufheizung zu reduzieren, ohne Funktionen und Nutzungen des Platzes zu beeinträchtigen.
> In anderen Teilen der Stadt, insbesondere in Wohngebieten und auf kommunalen Flächen, sollte hingegen echte Durchgrünung konsequent verfolgt werden: mehr Bäume mit ausreichendem Wurzelraum, weniger Versiegelung und besser vernetzte Grünstrukturen. Fassadenbegrünung ist in einer historisch geprägten Stadt nur eingeschränkt umsetzbar und kommt vor allem an neueren Gebäuden oder weniger sensiblen Bereichen in Betracht. Entscheidend ist ein differenziertes Vorgehen, das wirksame Maßnahmen dort einsetzt, wo sie realistisch umsetzbar sind.
Umweltschutz
- Sind Sie dafür, in Altötting ein umweltfreundliches Beschaffungswesen einzuführen?
> Ja. Ich möchte umweltfreundliche Beschaffung als gemeinsames Projekt der Stadt denken und deutlich weiterentwickeln. Die Kommune sollte ihre Kaufkraft bündeln und einen zentralen kommunalen Einkauf aufbauen. So lassen sich klare Standards setzen: langlebige, reparierbare und möglichst verpackungsarme Produkte statt vieler Einzelbestellungen und unnötiger Lieferfahrten.
> Wichtig ist dabei auch die Organisation der Lieferung. Gebündelte, regelmäßige Anlieferungen – idealerweise emissionsarm mit E-Fahrzeugen – entlasten den Verkehr, sparen Zeit in den Einrichtungen und reduzieren Abfall. Nachhaltigkeit entsteht hier nicht durch Verzicht, sondern durch kluge Strukturen.
> Wenn dieses System gut etabliert ist, kann es schrittweise geöffnet werden – etwa für kommunale Betriebe, soziale Träger oder andere größere Verbrauchende in der Stadt. So kann Altötting zeigen, dass umweltfreundliche Beschaffung praktikabel ist und im Alltag funktioniert.
- Welche Schritte werden Sie unternehmen, um die Kreislaufwirtschaft voranzubringen, soweit es in kommunaler Verantwortung liegt? Bekennen Sie sich zum „Zero Waste“-Ziel, das Abfallaufkommen kontinuierlich zu reduzieren und die Zero-Waste-Philosophie in die lokale Abfallwirtschaft zu integrieren?
> Ja, ich stehe hinter dem Ziel, Abfall zu reduzieren, aber ich will ehrlich sagen, was eine Kommune leisten kann und was nicht. Zero Waste ist kein rein kommunales Problem, sondern hängt stark mit unserer Wirtschaftsweise zusammen. Verpackungsflut, Wegwerfprodukte und kurze Lebenszyklen entstehen vor allem in Produktion und Handel. Darauf hat eine einzelne Stadt nur begrenzten Einfluss.
> Was wir direkt tun können, ist bei uns selbst anzufangen. Im kommunalen Einkauf lassen sich klare Standards setzen: langlebige, reparierbare und möglichst verpackungsarme Produkte sowie Mehrwegsysteme. Dort kann die Stadt sofort Abfall vermeiden und zeigen, dass andere Lösungen im Alltag funktionieren.
> Zusätzlich kann die Stadt Strukturen für Weiter- und Wiederverwendung stärken – zum Beispiel durch Tauschmöglichkeiten, Repair-Initiativen oder Kooperation mit bestehenden Trägern. Wichtig ist, das auszubauen, was bereits funktioniert, statt neue symbolische Projekte daneben zu stellen.
> Für mich ist Zero Waste deshalb kein Versprechen völliger Müllfreiheit, sondern eine Richtung: Die Stadt reduziert Abfall dort, wo sie Verantwortung trägt, und macht gleichzeitig klar, dass echte Abfallvermeidung größer gedacht werden muss. Wenn wir es ernst meinen, müssen wir auch über Produktionsbedingungen und Handelsstrukturen sprechen – nicht nur über Mülltonnen.
- Unterstützen Sie die Einführung der Grundsätze der Gemeinwohl-Ökonomie in den Bereichen kommunaler Verantwortung?
> Ja. Ich unterstütze die Grundsätze der Gemeinwohl-Ökonomie ausdrücklich. Dazu gehören für mich: Menschenwürde und faire Arbeit, Solidarität und soziale Gerechtigkeit, ökologische Nachhaltigkeit, Transparenz, demokratische Mitbestimmung und frühzeitige Beteiligung, eine gemeinwohlorientierte Verwendung öffentlicher Mittel (langfristiger Nutzen statt kurzfristig billig), regionale und resiliente Wertschöpfung sowie klare Regeln gegen Korruption und Interessenkonflikte.
> Diese Prinzipien sollten in allen Bereichen kommunaler Verantwortung Maßstab sein – besonders bei Beschaffung und Vergabe, bei Planung und Flächenentscheidungen, bei kommunalen Betrieben und überall dort, wo öffentliches Geld und öffentliche Macht eingesetzt werden.
Bauen
- Setzen Sie sich – statt für Neubau auf freier Fläche – für eine bevorzugte Nutzung bestehender Bausubstanz, den Umbau von leerstehenden Gewerberäumen zu Wohnungen und für die Aufstockung niedriggeschossiger Bauten wie Einkaufsmärkte zur Schaffung bezahlbaren Wohnraums ein?
> Ja – aber nicht um jeden Preis. Für mich hat die Nutzung bestehender Bausubstanz Vorrang vor Neubau auf freier Fläche. Leerstehende Gebäude und ungenutzteGewerberäume sollten zuerst aktiviert werden. Danach können Aufstockungen und Umnutzungen ein sinnvoller Schritt sein, aber nur innerhalb vertretbarer Grenzen.
> Entscheidend ist, dass Wohnqualität erhalten bleibt. Verdichtung darf nicht zulasten von Licht, Luft, Grün, Lärmschutz oder sozialem Miteinander gehen. Deshalb müssen enehmigungsentscheidungen transparent, nachvollziehbar und fair abgewogen werden – mit Blick auf die bestehenden Bewohner*innen ebenso wie auf neue.
> Für mich gilt eine klare Reihenfolge: erst Leerstand nutzen, dann maßvoll nach oben – und erst ganz am Ende wieder in die Fläche gehen. Flächensparen und bezahlbarer Wohnraum sind wichtig, dürfen aber nicht auf Kosten der Lebensqualität vor Ort umgesetzt werden.
> Zusätzlich braucht die Stadt eine aktive Akquirierungsstrategie gegen spekulativen Leerstand. Gebäude, die über Jahre ungenutzt bleiben, sind kein Naturzustand, sondern oft Ergebnis reiner Renditelogik. Die Kommune sollte hier systematisch ankaufen, Kooperationen mit gemeinwohlorientierten Trägern aufbauen und – wo rechtlich möglich – Instrumente zur Aktivierung brachliegender Flächen prüfen. Wohnraum ist zu wertvoll, um ihn dauerhaft dem Markt zu entziehen.
- Befürworten Sie bei Neuplanungen eine Überbauung von Parkplätzen mit Wohnungen?
> Grundsätzlich eher zurückhaltend. Wohnungen gehören für mich nicht direkt in Verkehrs- oder stark belastete Gewerbeflächen. Parkplätze und Garagen bringen Lärm, Abgase, nächtliche Bewegungen und eine insgesamt unruhige Umgebung mit sich – das ist kein guter Rahmen für dauerhaft lebenswertes Wohnen.
> Sinnvoller finde ich es, Flachbauten grundsätzlich mehrstöckig zu denken: Parkplätze zu Parkhäusern, eingeschossige Supermärkte zu Einkaufszentren mit Nutzungsmischung und kommunale Nutzflächen wie Bau- oder Wertstoffhöfe ebenfalls vertikal zu organisieren. Auf diesen Baukörpern kann dann – wo es passt – auch Wohnen entstehen, mit Abstand zur Verkehrsquelle und mit klarer Trennung der Nutzungen.
> Entscheidend ist für mich die Reihenfolge und Qualität: Erst bestehende Strukturen effizienter nutzen und stapeln, dann prüfen, ob darüber wohnverträgliche Räume entstehen können. Reine Parkplatzflächen direkt mit Wohnungen zu überbauen halte ich dagegen meist für die schlechtere Lösung.
Stadtplanung
- Treten Sie dafür ein, dass keine weitere bauliche Versiegelung auf im Flächennutzungsplan enthaltenen Grünflächen (Grün- und Parkanlagen ) erfolgt?
> Ja. Grün- und Parkflächen im Flächennutzungsplan erfüllen zentrale Funktionen für Stadtklima, Biodiversität, Wasserhaushalt und Erholung. Weitere Versiegelung würde diese Funktionen dauerhaft schwächen oder zerstören und ist daher abzulehnen.
> Darüber hinaus spreche ich mich nicht nur für den Erhalt, sondern für den Ausbau von Grünflächen und wohnortnahen Naherholungsgebieten aus. Gerade in einer dichter werdenden Stadt sind solche Flächen kein Luxus, sondern notwendige Infrastruktur für Lebensqualität und Gesundheit. Wenn zusätzlicher Flächenbedarf entsteht, muss dieser vorrangig im Bestand, durch Umnutzung und Nachverdichtung gelöst werden – nicht zulasten ausgewiesener Grünräume.
- Sind Sie dafür, bei der Genehmigung von Neubauten verbindliche Mindeststandards für Begrünung (z.B. von Innenhöfen, Fassaden und Flachdächern) festzulegen?
> Ja – und zwar verbindlich mit alltagstauglichen aber ambitionierten Mindeststandards. Bei Fassaden halte ich als Regelfall eine Begrünung mit Abstandssystemen (Rankseile/Rankgitter mit Abstand zur Fassade) für sinnvoll, weil sie technisch robust und in der Umsetzung einfacher ist. Wer eine Fassade direkt begrünt, soll damit selbstverständlich ebenfalls die Vorgabe erfüllen.
> Bei Flach- oder flach geneigten Dächern unterstütze ich Begrünung, wenn die Gebäudestruktur das hergibt. Wo eine Dachbegrünung nicht möglich oder nicht sinnvoll ist, sollte im Gegenzug Photovoltaik bzw. Solarthermie verbindlich vorgesehen werden. Ziel ist: Dachflächen sollen entweder zur Kühlung und Regenrückhaltung beitragen oder zur Energiegewinnung – idealerweise beides, wo es passt.
> Innenhöfe sind überwiegend private Bereiche. Für kleine Vorhaben würde ich hier keine starre Vorgabe erzwingen. Bei größeren Gebäuden und Neubaukomplexen halte ich jedoch Mindeststandards für notwendig, damit Innenbereiche nicht zu vollständig versiegelten Hitzeinseln werden und wenigstens ein Mindestmaß an Begrünung und Entsiegelung gesichert ist.